Die beste Bänd der Welt in Nürnberg

Am Mittwoch fand in Nürnberg ein Ärzte-Konzert statt. Was ich dort erlebt habe, lesen Sie hier:

Der lange Weg zum blauen Himmel

Gestern war der Tag da, auf den ich mich schon sehr gefreut habe. An meiner Tür hängt noch ein Blatt, auf dem ich die Tage runter gezählt habe, bis es begann: das Jazzfäst der besten Band der Welt. Nach der Arbeit traf ich mich mit meinem Bruder, wir aßen noch schnell etwas und fuhren dann mit der U- bzw. S-Bahn zur Arena Nürnberger Versicherung. Vor dem Eingangsbereich konnte man sich mit T-Shirts zum Auftritt ausstatten, wenn man wollte. Dann ging’s durch die Security, die uns netterweise alle Getränkeflaschen mit reinnehmen lies, allerdings von jeder den Verschluss aufdrehte, sodass man sie nicht mehr im Rucksack verstauen konnte. Naja, dann hieß es warten, bis um kurz vor 20 Uhr die Vorband „Blowfly“ die Bühne betrat und ihre Lieder spielte. Es bot sich ein skurriler Anblick, denn der Sänger hatte eine Art Superhelden-Kostüm an und eine Maske auf. Außerdem schrie eine halbnackte Dame in ihr Mikrofon, was diesen Auftritt aber auch nicht besser machte. Vor allem die kratzige Stimme nervte mich sehr und es flog auch mal ein Becher auf die Bühne. Das Beste an ihrem Auftritt war noch, dass sie zeitweise von Rodrigo und Bela musikalisch unterstützt wurden. Nach einer guten halben Stunde waren „Blowfly“ fertig und endlich konnte man sich von dem Auftritt erholen. Aber eigentlich ein genialer Schachzug von den Ärzten: Wenn einen die Vorband so gar nicht gefällt, findet man die Lieder der Ärzte gleich noch mal so gut. Was folgte, wissen die Meisten eh schon: ein schwarzer Vorhand mit der Aufschrift „Achtung Jazz!“ wurde hochgezogen. Dann kletterten drei Lichttechniker eine kleine Leiter hinauf, um ihre Positionen einzunehmen (der Zweite war der Coolste). Nun musste man sich noch etwas gedulden. Einige Fans stimmten Sprechchöre an: „Wir wolln die Ärzte sehn, wir wolln die Ärzte sehn, wir wolln, wir wolln, wir wolln die Ärzte sehn!“ Natürlich blieben die Rufe nicht ungehört, denn um kurz vor 21 Uhr hörte man die Ärzte (immer noch hinter dem Vorhang), sie spielten die ersten Töne von „Himmelblau“. Die Fans schrien und klatschten und endlich setzte Farins Gesang ein. Bald entlud sich die Anspannung darin, dass der Vorhang viel, Bela, Farin und Rod standen auf der Bühne und die Masse war nicht mehr zu halten.

Die Mischung macht‘s

Die Liederauswahl war für meinen Geschmack gut gewählt. Selbstverständlich war „Himmelblau“ nicht das einzige Lied von „Jazz ist anders“, die Ärzte spielten auch „Junge“, „Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend“ und zum Glück auch „Lasse redn“. Bei „Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend“ sollte das Publikum mitsingen. Nach „Pflegeleicht“ sangen die Frauen „Klingeling“, die Männer daraufhin „Hallo“ und dann wieder die Frauen „Hier ist Mutti“. Ein großer Spaß! „Lasse redn“ war mein Highlight, hier hat das Publikum richtig Gas gegeben: alle Hände waren in der Luft. Auch eine schöne Aktion: Als bei „Radio brennt“ die Textzeile „Sie spielten gerade dein Lieblingslied“ kam, spielten die Ärzte „Jag älskar Sverige!“ in einer Reggae-Version. Aber es waren auch echte Raritäten dabei, so wie „Rettet die Wale“ oder „Das ist Rock ‘n‘ Roll“, von dem ich den Text leider nicht kannte. Bei „Unrockbar“ haben sich alle hingesetzt und erst als die Ärzte „unrockbar“ gesungen haben, sind alle wieder aufgesprungen. Natürlich gab’s auch eine La Ola und bei ruhigeren Liedern wie „1/2 Lovesong“ haben einige Leute die Halle mit ihrem Feuerzeug erleuchtet – einfach eine tolle Stimmung. Auf der Bühne gab es recht viel zu gucken, zu jedem Lied gab es eine andere Beleuchtung und auf großen Displays sah man zu vielen Liedern Animationen. Dafür kann ich mich an keine Verkleidung der drei Herren entsinnen – schade. Wie es sich gehört kamen wir auch in den Genuss von „Schundersong“ („Oh, oh, oh, Arschloch!“), „Zu spät“ („Warum, warum, warum, warum? Darum, darum, darum, darum! Wieso, wieso, wieso, wieso? Deshalb, deshalb, deshalb, deshalb!“) oder „Manchmal haben Frauen“. Was noch? „Der Graf“, „Anti-Zombie“ und „Geisterhaus“ zum Beispiel, wobei ich die beiden letzt-genannten live nicht so toll fand.

Von Nordic Walking und fehlender Flüssigkeit

Die Ärzte haben richtig lange gespielt: von 21 bis kurz vor 24 Uhr. Natürlich mit mehreren, kurzen Pausen. Wenn Farin und Rod die Plätze auf der Bühne getauscht haben, dann zelebrierten sie das: Sie gingen nicht einfach von links nach rechts, sondern sie schritten mit Nordic Walking-Stöcken zu ihren Plätzen. Da wir wegen der Security keine Getränke mehr hatten, wurde der letzte Teil des Konzerts zunehmend anstrengender. Ich muss den Hut vor den Ärzten ziehen, weil sie so lange spielen, aber zunehmend fehlte mir die Kraft zum Klatschen, Singen und Springen. Um Viertel vor 12 haben mein Bruder und ich uns zum Ausgang aufgemacht. Bei der S-Bahn-Station angekommen fuhr uns der Zug gerade vor der Nase weg. Da wir nun noch eine halbe Stunde Zeit hatten, wollte ich zu Burger King, um nach drei Stunden ohne Flüssigkeit und erschöpft durch körperliche Verausgabung endlich ein heiß ersehntes Getränk zu mir zu nehmen. Doch was muss ich feststellen, der Burger King hat vor fünf Minuten dicht gemacht – Mist! Zum Glück erspähte ich einen Ärzte-Fan, der eine Sprite-Flasche in der Hand hielt. Flehend bat ich ihn um einen Schluck seines kostbaren Gutes – und er war so nett, mich etwas trinken zu lassen. Falls der edle Spender diese Zeilen liest, nochmals herzlichen Dank! Danach warteten wir auf die S-Bahn, die uns sicher zum Nürnberger Hauptbahnhof brachte. Von hier ging es mit der U-Bahn nach Hause. Erschöpft und glücklich bin ich eingeschlafen. Es war ein schönes Konzert: Bela, Farin und Rod hatten gute Laune – und damit waren sie nicht die einzigen.

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