Alan Wake: Der Spiel-gewordene Horror-Roman

Remedy Entertainment ist ein finnisches Entwicklerstudio, das im Jahr 2001 mit Max Payne eine für mich bahnbrechende Marke hervorgebracht hat. Das Studio bewies ein Händchen für die Inszenierung knallharter Action getragen von einer packenden Handlung. 2010 erschien Alan Wake, ein Action-Thriller exklusiv für die Xbox 360. Lesen Sie hier, was ich von dem Spiel halte.

Willkommen in Bright Falls

Alan Wake ist ein Schriftsteller, der seit längerer Zeit unter einer Schreibblockade leidet. Nach seinem letzten veröffentlichten Buch hat er kein Wort mehr geschrieben. Um an alte Erfolge anzuknüpfen, reist er mit seiner Frau Alice nach Bright Falls, um sich zu erholen. Das malerische Städtchen macht zu Beginn einen einladenden Charakter. Jeder Bewohner scheint hier den anderen zu kennen. Scheinbar genau der richtige Ort für Wake, um neue Inspiration zu finden.

Doch schon bald passieren sehr merkwürdige Dinge. Kurz nachdem Alan und Alice ihre Ferienwohnung auf einer kleinen Insel bezogen haben, wird Alice unter mysteriösen Umständen entführt. Ein Kidnapper meldet sich im Verlauf des Spiels bei Alan und will, dass er in wenigen Tagen ein Manuskript schreibt, für das er im Gegenzug seine Frau frei lässt. Immer wieder wird man vor die Frage gestellt, ob die Geschehnisse wirklich stattgefunden haben oder ob es sich um Halluzinationen von Alan handelt. Mehr möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht über die Geschichte verraten, ist die doch elementarer Bestandteil der Spielerfahrung.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Die meiste Zeit sind die nachts in Bright Falls unterwegs. Auf der Suche nach Alice kommt man immer wieder in Gefechtssituationen. Dabei kämpft Alan gegen allerlei dunkle Gestalten. Licht ist ein wesentlicher Bestandteil des actionreichen Spielverlaufs. Die Schattenwesen lassen sich nämlich erst erledigen, wenn sie lange genug Licht ausgesetzt wurden. Anfangs halten sie mit der Taschenlampe auf ihre Gegner, um sie anschließend mit der Pistole oder dem Schrotgewehr zu erledigen. Im weiteren Spielverlauf dürfen Sie auf Hilfsmittel wie Blendgranaten oder Leuchtfackeln zurückgreifen. Während die Granaten gleich mehrere Gegner auf einmal ausschalten, verschaffen ihnen die Leuchtfackeln eine Verschnaufpause, da ihre Gegner von ihnen zurückweichen.

Oft kommen Sie an alten Generatoren vorbei, die sie mit einem simplen Minispiel wieder zum Laufen bringen. An einigen Stellen wird der Spielfortschritt automatisch gespeichert und die Lebensenergie aufgefüllt. Aber auch, wenn Sie einfach einen Moment warten, verbessert sich der Gesundheitszustand von Alan wieder (zumindest auf dem normalen Schwierigkeitsgrad). Die Kämpfe sind dabei angenehm fordernd. Jedoch ist so manches gescriptete Ereignis tatsächlich nur beim ersten Mal eine Überraschung. Spielt man einen Abschnitt aufgrund des Tods der Spielfigur noch einmal, kennt man schon die Gefahren, die auf einen lauern.

Die Handschrift der Entwickler

Was ich toll finde an Alan Wake ist die frische Art, wie die Geschichte inszeniert wird. Ähnlich wie schon in Max Payne 2: The Fall of Max Payne beweisen die Entwickler in den Levels eine große Liebe zum Detail. Sie stoßen immer mal wieder auf Radios oder Fernseher, die ihnen zusätzliche Informationen über Bright Falls oder Alan Wake selbst geben. Überall in den Arealen finden Sie außerdem Seiten aus einem Manuskript, dass angeblich von Alan selbst geschrieben wurde, woran dieser sich aber nicht mehr erinnert. Diese Seiten können über das Optionsmenü abgerufen werden und enthalten zusätzliche Information über den Verlauf der Handlung.

Alan Wake ist zwar ein streng lineares Spiel, trotzdem hat mich das Spiel überrascht. Es gibt ein paar Abschnitte, in denen Sie die Spielwelt mit dem Auto erkunden dürfen. Okay, die Fahrphysik ist zwar nicht ganz so ausgefeilt wie bei GTA 4, der Gesamteindruck ist jedoch stimmig. Alan Wake ist zwar kein Open World-Spiel, trotzdem hätte ich nicht gedacht auf recht weitläufige Landschaften mit teils wunderschönen Ausblicken zu treffen. Remedy beweist, dass sie nicht nur Großstadtumgebungen wie New York umsetzten können, sondern auch malerische Naturlandschaften mit Schluchten, Tannen und Bergen. Wirklich sehr schön anzusehen.

Das ist ja wie im Fernsehen

Wenn man an Videospiele und an Episoden denkt, kommen einem vermutlich schnell die Episoden 1 und 2 von Half-Life 2 in den Sinn. Alan Wake ist ebenfalls in Episoden unterteilt. Hat man eine abgeschlossen, werden zu Beginn der nächsten Episode die bisherigen Ereignisse in einem kleinen Film zusammengefasst. Spielt man das Spiel in einigen Tagen durch, wäre dies sicher nicht notwendig. Trotzdem gibt das dem Spiel eine filmische Note, die durch Kamerafahrten oder Zeitlupeneffekte in Kämpfen noch unterstrichen wird. All die kleinen Inszenierungs-Elemente ergeben in der Summe ein frisches und unverbrauchtes Spielerlebnis.

So sieht’s aus

Ich habe erwartet, dass das Spiel einen hohen grafischen Standard einhalten wird. Teilweise bin ich jedoch wirklich begeistert, was das Spiel aus der Xbox 360 herausholt. Von der tollen Landschaft sieht man eigentlich recht wenig, spielen die meisten Szenen doch in dunkler Nacht. Dafür mutet die Lichtdarstellung mit den in Echtzeit berechneten Schatten schon sehr realistisch an. Neben der hohen Sichtweite gehören zu den grafischen Höhepunkten die Darstellung der Leuchtfackeln bzw. die Schüsse der Leuchtpistole. Die Bewegungen der Figuren muten im Vergleich zu Max Payne 2 auch noch einmal deutlich lebensnaher an. Wer sucht, der wird hier und dort eine matschige Textur finden, aber das Gesamtbild ist stimmig und hat mich überzeugt.

Happy End?

Die Entwickler von Remedy sind mit Alan Wake ihren eigenen Weg gegangen und dafür gebührt ihnen meine Anerkennung. Action-Adventures gibt es viele, aber selten wurden Spielelemente zu einer solch eigenständigen Spielerfahrung verschmolzen. Da wechseln sich Feuergefechte mit Story-Passagen ab und die Umgebungen hält allerlei kleine Details bereit, die es zu entdecken gilt. Okay, entgegen sehr früher Vorschauberichte ist das Spiel sehr linear aufgebaut, aber dadurch können die Entwickler sicherstellen, dass das Erzähltempo zum Spielverlauf passt. Der größte Kritikpunkt ist für mich, dass einen das Ende mit zu vielen offenen Fragen zurücklässt. Das muss nicht sein!

Trotzdem: Mit Alan Wake beweist Remedy, dass sie es nicht verlernt haben, großartige Spiele mit einer spannenden Geschichte abzuliefern. Ich hätte den Entwicklern zum Beispiel nicht zugetraut, dass sie steuerbare Fahrzeuge ins Spiel integrieren. Umso mehr ärgert es mich, dass Remedy nicht an Max Payne 3 arbeitet – dies wurde Rockstar Vancouver überlassen. Bleibt zu hoffen, dass sie wissen, was sie tun.

Eine Antwort zu Alan Wake: Der Spiel-gewordene Horror-Roman

  1. [...] Einen ausführlichen Artikel zu Alan Wake finden Sie hier. [...]

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